Familie Kretschmann und Merker haben sich gleich 1945 bei einer Lesung kennengelernt und waren bis zum Lebensende befreundet. Sie hatten viele Gemeinsamkeiten.

Beide gehörten etwa der gleichen Generation an. Hildegard war 1911 geboren und Erna 1912. Die Männer hatten die Grauen des Krieges glücklich überlebt und sich geschworen, dass es nie wieder Krieg geben darf. Jochen war damals 39 Jahre und Kurt 33 Jahre alt.

Beide Familien haben 1945 ein Kind verloren. Obwohl die Merkers beide Christen und später in der CDU waren und Kretschmann beide Kommunisten, war das für die Freundschaft kein Hindernis.

Sie liebten die Natur und schlossen sich mit anderen Freienwaldern zu einer Wandergruppe im Rahmen des Kulturbundes zusammen. Mit dieser Gruppe konnte Kurt viele Projekte realisieren.

So richteten sie als erstes den Freienwalder Schlosspark wieder so her, dass die Bürger darin spazieren konnten. Jochen bekam hier durch Kurt eine erste bezahlte Stelle, um seine Familie zu ernähren. Jochen hat für den Park viele schöne Wegeschilder geschnitzt und mit lustigen Sprüchen versehen. Leider sind sie fast alle gestohlen worden. Das Eingangs-Schild zum ev. Kindergarten ist die einzige bis heute erhaltene Arbeit.

Beide haben sich vor dem Krieg auf Kunst-Hochschule in Berlin kennengelernt. Hildegard liebte vor allem die Textilkunst, Malen und Zeichnen. Jochen studierte auf Lehramt und war Lehrer für Kunsterziehung und Sport. Vor dem Krieg war er bereits Oberstudienrat, hat diesen Titel aber nie wieder verwendet. Jochen konnte erst 1950 wieder eine Lehrerstelle in Bad Freienwalde erhalten.

Als ich 1969 in die Erweiterte Oberschule nach Bad Freienwalde kam, war Jochen mein Kollege. Friedens-Merker wurde er unter Schülern genannt. Er war Mitglied der CDU und des Friedensrates der DDR. Wahrscheinlich konnten ihn die Schüler mit dem Thema Krieg und Frieden schnell vom eigentlichen Unterrichtsthema ablenken und er wurde nicht müde, vor den Gefahren eines neuen atomaren Krieges zu warnen.

Kurt benötigte die Talente der Familie Merker häufig. So wurden im Keramikzirkel von Hildegard Reliefs gefertigt, die für die Auszeichnung „schöne Gärten“ vergeben wurden oder die Plakette „Fledermausquartier, die an ein geschütztes Fledermausquartier angehängt wurde. Jochen hat bis ins hohe Alter Federzeichnungen, Urkunden und Aquarelle angefertigt für viele Aufrufe und Wanderhefte, den Heimat-Kalender und für den Arbeitskreis Weißstorch.

Sicher nicht primär beabsichtigt sind Beispiele dieser Zusammenarbeit auch im Kalender zu Kurts 100. Geburtstag zu finden (Deckblatt, Rückseiten Mai, Juni und Juli).